Einfach nur verliebt

Kapitel 1 - April

 

 

»Du bist abgestürzt? Wie konnte das denn passieren? June, wie schlimm ist es? Und was machst du jetzt? Wie wird das behandelt und wie lange dauert so was?«, bombardiere ich sie mit Fragen, kaum dass sie mir diese schlechte Nachricht mitgeteilt hat.

Heute Abend wollten wir eigentlich bei einem Videocall mit einer schönen Flasche Sekt meinen Studienabschluss in Psychologie feiern, aber dass meine beste Freundin an diesem Nachmittag einen Unfall hatte, stellt alles andere natürlich sofort in den Schatten.

»Ist nichts wirklich Schlimmes, also mach dir keine Sorgen, April«, wehrt sie ab. »Nur verstaucht und ein paar Bänder gezerrt. Ich muss halt jetzt an Krücken gehen.«

»Und wie ist das passiert? Man stürzt ja nicht mal eben einfach so aus ein paar Metern Höhe ab«, komme ich auf meine noch immer unbeantwortete Frage zurück. Sie sieht angestrengt und müde aus, aber ich muss das wissen, denn ich mache mir wirklich Sorgen um sie.

»Ich war mit Kevin in der Kletterhalle, das machen wir ja regelmäßig, nur dieses Mal hat das mit dem Sichern irgendwie nicht richtig geklappt und als ich abgerutscht bin, weil meine Kraft nachgelassen hat, ist es halt passiert.«

Sie hat mir mal erzählt, dass man da immer zu zweit sein soll, weil einer den anderen auffangen muss, falls etwas schiefgeht. Ich verkneife mir die Frage, was da nicht geklappt haben kann, obwohl ich eigentlich schon verdammt gern wüsste, was ihr Kevin sich dabei gedacht hat. Doch ich lasse es bleiben und bohre nicht nach.

»Und jetzt?«, erkundige ich mich stattdessen.

»Ich muss ab morgen mit Krankengymnastik anfangen, die bringt mich schnell wieder auf die Beine.«

»Im wahrsten Sinne des Wortes hoffe ich das für dich.« Wir wären nicht schon seit der Schulzeit beste Freundinnen, wenn ich trotz der Entfernung den bedrückten Ausdruck in ihrer Miene nicht sehen würde. »Aber da ist doch noch was, oder?«

Sie seufzt schwer. »Leider muss der Buchladen so lange geschlossen bleiben. Ich habe vormittags Behandlungen und nachmittags auch. Das Hin und Her schaffe ich erstens zeitlich nicht und zweitens kann ich mit den Krücken nicht so lange stehen.«

»Ach du liebe Güte«, entfährt es mir.

»Genau das habe ich auch gedacht.« Sie seufzt schwer. »Finanziell wird’s dadurch leider eng. Keine Ahnung, ob ich danach überhaupt wieder aufmachen kann. Die Konkurrenz ist groß und wenn meine Kunden in der Zeit woanders hingehen …«

Sie lässt das Ende offen, aber ich weiß auch so, was sie meint. Sie sieht unheimlich traurig aus und ich fühle mit ihr. Die Buchhandlung war immer schon ihr Traum, den sie sich vor drei Jahren endlich erfüllen konnte. Ihre Eltern sind ziemlich betagt und nicht mehr fit genug, um das zu stemmen, also kann sie da auch nicht auf Hilfe hoffen.

Ich überlege einen Moment und während dieses Atemzuges rasen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Die Hälfte spricht dafür und die Hälfte dagegen, aber dann schießt es ungebremst aus meinem Mund. »Soll ich kommen und dir helfen?«

Erst mal ist Funkstille und June starrt mich fassungslos an.

»June?« Steht die Leitung noch oder ist ihr Bild eingefroren?

»Jaaaa«, kommt es leise und gedehnt und sie regt sich wieder. »April … ist das dein Ernst?«

»Natürlich«, bekräftige ich forsch. Auch wenn mir der Gedanke an die Rückkehr in meine kleine Heimatstadt spontan ein mulmiges Gefühl beschert. Aber dazu sind Freunde schließlich da.

»Mein Gott, das wäre fantastisch!«, jubelt sie unvermittelt los und strahlt von einem Ohr zum anderen. Doch dann wird sie genauso schnell wieder ernst und sehr ruhig. »April, ich … kann dir aber nicht viel zahlen«, sagt sie mit belegter Stimme.

»Ein bisschen was würde schon reichen. Die Unterkunft vielleicht und dass ich meine Wohnung hier halten kann. Ansonsten mache ich das doch nicht, um reich zu werden, sondern weil ich meiner besten Freundin helfen will!«

»Das sollte klappen. Oh mein Gott«, wiederholt sie dann und diesmal klingt es piepsig. »Du meinst das wirklich ernst, oder?«

»Natürlich meine ich das ernst.« Und wie! »Ich muss nur irgendwo unterkommen.«

»Jaaa.« Sie überlegt und tippt sich mit dem Zeigefinger an die Unterlippe dabei. »Bei uns kannst du leider nicht unterkommen, das Apartment ist zu klein und Kevin …«

Sie spricht nicht aus, was ich schon weiß: Ihr Lover will niemanden in der Wohnung haben, und ich würde das auch nicht wollen. Sie wohnen zwar gemütlich, doch wirklich eher tiny als großzügig.

»Aber egal, ich finde sicher was Schnuckeliges für dich. Wann kannst du hier sein? Oh mein Gott, ich freu mich so auf dich, April.«

Und ich freue mich, wie es mir in so kurzer Zeit gelungen ist, aus meiner bedrückten Freundin wieder die fröhliche Person zu zaubern, als die ich sie eigentlich kenne.

 

***

 

Am nächsten Morgen sitze ich im Auto nach Bridgeton, New Jersey. Zum ersten Mal seit vielen Jahren. Mein Studium hat mir kaum Zeit gelassen für die alte Heimat, und seit ich mit meinen Eltern von dort weg und nach Durham ziehen musste, war ich vielleicht zweimal da gewesen. Die Jahre sind einfach viel zu schnell vergangen. June konnte mich auch nicht öfter besuchen, denn die Schule und später dann ihr Buchladen und ihr Freund – in erster Linie ihr Freund, glaube ich – haben ihr nicht viel Raum dafür gelassen. Und so halten wir seit einer gefühlten Ewigkeit den Kontakt mittels Videotelefonaten und Messengercalls. Sie jetzt endlich wiederzusehen, ist Freude pur.

Wäre da nicht …

Während der Fahrt versuche ich, diesem Gedanken nicht nachzugeben. Auch nicht den vielen Fragen, die in meinem Oberstübchen herumtoben und auf die ich keine Antwort finde. Aber die Stunden auf der Straße sind lang und ich kann nicht verhindern, dass sich doch irgendwann ein ganz bestimmtes Gesicht vor mein inneres Auge drängt.

Ein äußerst attraktives, männliches Gesicht.

Entschlossen schiebe ich die Erinnerung, die mir ein ganz und gar ungutes Gefühl beschert, beiseite. Jared Malone ist kein Teil meines Lebens mehr, das war er nie wirklich gewesen, und er gehört auch schon lange nicht mehr in meine Gedanken. Seit ich Bridgeton verlassen habe – mit meinen Eltern verlassen musste, weil ich als gerade mal sechzehnjähriger Teenie keine andere Wahl hatte –, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Und ich will gar nicht damit anfangen, zu überlegen oder zu hoffen, ob ich ihn nun wieder treffen werde.

Aber so sehr ich mich auch bemühe, meine große Jugendliebe kann ich nicht so einfach wegschieben, jetzt, wo ich auf dem Weg in die Stadt bin, in der er lebt.

Wieder lebt.

Natürlich hat mich June auf dem Laufenden gehalten. Sie wusste ja, wie unglaublich verschossen ich in diesen Mann gewesen bin. Anfangs konnte ich mich ab und zu nicht bremsen und habe dann doch mehr oder weniger offensichtlich nach ihm gefragt. Er war eine Weile weg. In Ausbildung. Ist aber jetzt wohl wieder in Bridgeton. Mehr weiß ich nicht, denn irgendwann nach ein paar Jahren habe ich es aufgegeben, mich zu erkundigen und von sich aus hat June auch nichts mehr erzählt.

 

***

 

Am frühen Abend komme ich endlich an und klingle an Junes Haustür. Sie fällt mir mit einer Mischung aus Lachen und Weinen um den Hals und zieht mich in die Wohnung. Lang bleiben wir so stehen und halten uns einfach nur im Arm, weil das so guttut. Und irgendwie ist es, als wäre ich gar nicht so lang weggewesen. Einen Moment stehen wir da und sehen uns an. Meine Kehle ist eng geworden. Mir fehlen die Worte.

»Danke«, sagt sie und macht sich schließlich los. »Ich bin so, so froh, dich endlich wiederzusehen.« Sie greift wieder nach der zweiten Krücke, die sie an die Wand gelehnt hat, um mich in den Arm zu nehmen.

»Das bin ich auch. Und noch dazu so überraschend!«

»Du hast ja keine Ahnung, wie dankbar ich dir bin.«

Ich winke ab und linse an ihr vorbei in die Wohnung. »Ist …«

»Kevin ist heute Abend mit ein paar Kumpels unterwegs und kommt erst spät nach Hause«, erklärt sie, und ich habe für einen Moment das Gefühl, als dürfte ich nur deshalb hier sein, weil sie allein ist.

Wahrscheinlich ist das auch so. Ich sage nichts darauf, denn das Thema hatten wir immer wieder mal. June sagt, sie liebt diesen Kerl und er liebt sie, also habe ich mich rausgehalten und mir vorgenommen, für sie da zu sein, falls sie mich jemals brauchen sollte, so wie jetzt.

»Komm. Ich hab eine Kleinigkeit vorbereitet.« Sie humpelt mir voraus ins Wohnzimmer, wo schon eine bunte Auswahl an Snacktüten und Sekt auf dem Tisch bereitsteht. »Zum spontanen Nachfeiern, nachdem wir gestern Abend nicht dazu gekommen sind«, sagt sie und entkorkt die Flasche.

Lachend stimme ich ihr zu und lasse mich in den Sessel fallen, der schon bei ihren Eltern zu Hause in ihrem Mädchenzimmer stand und entsprechend durchgesessen ist. Aber er fühlt sich nach Heimkommen an und das kann ich gerade irgendwie gut gebrauchen.

Wir machen es uns gemütlich, knabbern Chips, schlürfen Sekt und genießen beide, uns real gegenüberzusitzen. Ich berichte ausführlicher als am Telefon oder im Videochat von meinen letzten Prüfungen, sie erzählt leidenschaftlich von ihrem Laden, den sie über alles liebt und über das Glück, schnell für mich ein Zimmer gefunden zu haben. Der ein oder andere Klatsch aus dem Ort darf natürlich auch nicht fehlen.

»Die Mieten hier sind teuer geworden«, sagt sie schulterzuckend. »Da dachte ich, dass dir ein kleines Zimmer genügt. Ist ja nicht für lange. Wir können ja weitersuchen, aber auf die Schnelle …«

»Schon in Ordnung«, winke ich lachend ab und merke, wie mir der Sekt zu Kopf steigt. »Ich werde es überleben. Hauptsache, ich bin hier und du brauchst dir keine Sorgen um deinen Laden zu machen.«

Sollte ich je daran gezweifelt haben, dass es okay ist, einfach loszudüsen, um ihr zu helfen und hier einzuspringen, dann weiß ich jetzt, dass ich das Richtige gemacht habe. Außerdem tut es so gut, sich endlich wieder persönlich zu begegnen. Obwohl ich immer dachte, dass eine Online-Freundschaft auch eine tolle Sache ist, merke ich erst jetzt, wie sehr mir June gefehlt hat. 

Es ist schon ziemlich spät, als wir uns auf den Weg zu meiner Bleibe für die nächsten Wochen machen. Sie liegt nur ein paar Querstraßen weiter und ohne Krücken würde June zu Fuß nach Hause laufen, aber so haben wir beschlossen, dass sie es mir erst mal zeigt und ich sie dann zurückfahre, bevor ich mich häuslich einrichte.

»Wie gesagt, es ist nichts Besonderes, aber es ist nah«, sagt sie, als sie hochkonzentriert mit ihren Krücken hinter mir die Treppe in den zweiten Stock des Mehrfamilienhauses hinaufsteigt. »Ich konnte es mir auf die Schnelle auch leider nicht selber anschauen, der Vermieter sagt, es ist sehr einfach.«

»Das reicht absolut.« Für ein paar Wochen bin ich nicht anspruchsvoll, das wird schon gehen, davon bin ich überzeugt. Am wichtigsten ist es mir, dass es sauber und das Bad in Ordnung ist.

Als sie die Tür aufschließt, ich einen Schritt ins Zimmer hineintrete und das Licht einschalte, wird mir klar, dass June es sich vorher vielleicht doch besser hätte zeigen lassen sollen.

Das Zimmer ist … mir fehlen die Worte.

Klein, kaum möbliert, also wirklich nur mit den allerwichtigsten Dingen, und die sind offensichtlich mehr als schäbig.

»Oh mein Gott«, sagt June, als sie hinter mir hereinkommt und sich an mir vorbeischiebt. »Das … das ist ja eine Bruchbude!« Sie dreht sich zu mir um und schaut mich mit riesigen, schuldbewussten Augen an. »April! Ich konnte nicht ahnen, dass der Kerl mich so anlügt! Tut mir leid. Was machen wir denn jetzt?«

Es ist spät, schon nach zehn. Heute Abend ist jedenfalls gelaufen, das ist uns beiden klar.

Ich zucke mit den Schultern. »Zumindest bin ich untergebracht. In den nächsten Tagen schauen wir dann in Ruhe nach einem anderen Zimmer.«

»Und ich höre mich bei meinen Kunden um. Hier kannst du nicht bleiben, April. Das tut mir so leid«, sagt sie noch einmal und ich will sie am liebsten trösten, obwohl ich diejenige bin, die hier hausen soll.

»Das geht schon«, sage ich großmütig, damit sie nicht ein noch schlechteres Gewissen bekommt, und werfe einen Blick in das winzige Bad, das so klein ist, dass man die Tür nicht zukriegt, wenn man auf die Toilette will.

Der kleine Trolley, den ich dabeihabe, passt gerade so zwischen das Bett und die Wand, anders würde ich die Schranktüren nicht aufbekommen.

»Ich fahre dich jetzt erst mal nach Hause«, bestimme ich, »und morgen sehen wir weiter.«

Kopfschüttelnd humpelt sie die Treppe runter und schimpft dabei leise vor sich hin. »Dem werde ich was erzählen«, verstehe ich noch, bevor sie aus der Haustür ist.

Auf dem Weg entschuldigt sie sich mindestens fünf weitere Male, bis ich sie bitte, damit aufzuhören, und sie zum Abschied noch einmal fest in die Arme nehme.

»Das ist nicht so schlimm, okay? Jetzt beruhig dich wieder. Morgen früh hole ich dich ab und wir fahren gemeinsam in den Laden«, wiederhole ich, was wir bei Sekt und Chips beschlossen haben. »Und dann sehen wir weiter.«

Schweren Herzens verabschiedet sie sich von mir und winkt mir in der Tür noch einmal zu. Ihr geht es jetzt wahrscheinlich schlechter als mir, obwohl mir schon ein wenig vor der Nacht in diesem Zimmer graut. Vorhin wollte ich lieber nirgends genauer hinsehen, doch nachher, wenn ich ins Bad muss … nicht, dass ich eine Sauberkeitsfanatikerin wäre. Ich kann echt über vieles hinwegsehen, aber das …

Puh.

Auf dem Rückweg halte ich an einem kleinen Laden an, der noch offen hat. Ich habe nichts zu trinken dabei und June wollte ich damit nicht behelligen. Also stelle ich das Auto ab und husche hinein. Es ist spät und außer mir und dem Ladeninhaber ist niemand hier. Der dreht kurz und gelangweilt den Kopf, als ich durch die Tür trete, und sieht dann wieder in den Fernseher, der an der Wand hängt. Irgendeine Wiederholung eines Footballspiels. Es riecht nach altem, abgestandenen Kaffee, der schon ewig auf der Warmhalteplatte steht. 

Ich brauche nicht viel: Ein Sixpack Wasser, denn in diesem Zimmer würde ich im Leben keines vom Hahn trinken – und eine Flasche Cola, ein paar Kekse für morgen früh, das war’s.

Mit meinen Einkäufen im Arm gehe ich Richtung Kasse. Ich bin hundemüde und obwohl meine Bleibe keinen besonders einladenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, freue ich mich auf das Bett, in dem ich trotz aller Widrigkeiten sicherlich wie ein Baby schlafen werde.

Plötzlich fliegt die Tür auf und Männer mit Strumpfmasken stürmen herein.

Vor Schreck fällt mir fast das Wasser aus der Hand und ich bin mit einem Mal hellwach. Vier Männer! Vier! Zu viele für mich und den alten Inhaber. Sie schreien irgendwas. »Geld her«. Die Stimmen klingen jung. Sie fuchteln mit Messern und Stöcken. Ich verstecke mich hinter einem der Regale und mein Herz klopft wie wild, weil mir die Angst wie Säure durch die Adrenalin gebeutelten Adern schießt. Hoffentlich entdecken sie mich nicht!

Ich kann sehen, wie einer von ihnen sich vor dem Mann hinter der Kassentheke aufbaut und ihn mit einem Messer in Schach hält. Ein anderer schiebt ihm eine Tüte zu. Professionell sieht das nicht aus. Zumindest im Fernsehen wirkt das alles nicht so unbeholfen wie das hier.

»Geld her. Schnell.«

So fühlt sich das also an. Das ist ein Überfall und ich bin mittendrin. Ha, schlau kombiniert, April.

Was mache ich jetzt?

Gibt es einen Hinterausgang?

In Zeitlupe drehe ich mich um und schleiche so leise wie möglich weg vom Eingang und dem Kassenbereich. Mann, diese blöde Kekspackung knistert viel zu laut!

Ich bücke mich und stelle vorsichtig die Flaschen auf dem Boden ab. Mit leeren Händen läuft es sich schneller und schließlich will ich nicht auch noch etwas klauen auf dem Weg hinaus. Vom Geschehen an der Ladentheke bin ich jetzt abgeschnitten und konzentriere mich nur darauf, möglichst lautlos die Kekspackung loszuwerden, die ich im Arm habe.

Ich bin noch immer in der Hocke, da fliegt mit einem lauten Knall die Vordertür erneut auf.

»Polizei! Waffe runter. Sofort!«

Gott sei Dank! Anscheinend konnte der Kerl an der Kasse den Alarm auslösen. Gut. Aber wo sind jetzt eigentlich die anderen beiden Strumpfmasken, die in den Laden gekommen sind? Zwei vorn an der Kasse und der Rest?

Vorsichtig schaue ich mich um und linse um ein Regal herum.

Niemand da.

Stimmen, Schritte. Einer brüllt was mit heller Stimme, wird von einer dunkleren unterbrochen. Ein Regal vor mir wackelt bedenklich, als einer der Cops einen der Täter dagegen drückt. 

Ich will hier nur noch raus! 

Als ich mich aufrichte, kommt einer der Möchtegern-Ladendiebe um die Ecke geschossen. Offensichtlich hatte er dieselbe Idee wie ich und sucht jetzt den Hinterausgang. Da ich ihm im Weg bin, gibt er mir einen rücksichtslosen Stoß und ich fliege ungebremst gegen ein Regal voller Flaschen, kann mich nirgends abfangen. Tennessee Whiskey, denke ich noch, dann reißt mich ein scharfer Schmerz an der Schläfe unvermittelt von den Beinen. Alles verschwimmt vor meinen Augen. 

 Ich kippe einfach seitlich weg und falle … einem Mann in die Arme.

Starke Arme, blaue Polizeiuniform. Der Kerl riecht gut, denke ich noch, dann wird plötzlich mein Gesichtsfeld eng. Der Cop, der mich aufgefangen hat, beugt sich über mich und schaut mich mit großen Augen an.

Ich muss träumen. Der Schlag hat mich verwirrt. Ganz bestimmt. Denn es kann unmöglich sein, dass er es ist.

»Hollymolly?«, höre ich noch, bevor die Welt um mich versinkt und ich nur noch eins denken kann:

Nicht schon wieder dieser echt blöde Spitzname …


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